Krupp-Ardelt 3t Vollportalkran „Kaimaster“

Konservierung des Krupp-Ardelt 3t Vollportalkrans "Kaimaster" im Deutschen Hafenmuseum Hamburg

Kraneinsatz für die Auslegerdemontage, Foto: Cem Yücetas
Demontage der Lagerschalen an der Welle des Auslegerfußstücks, Foto: Cem Yücetas
Übergabe des Auslegers an die Mobilkrane, Foto: Cem Yücetas
Entgegennehmen des Auslegers für die bereitgelegte Pallung, Foto: Cem Yücetas

Zeitraffer - Demontage des Auslegers

Die Restaurierungs- und in erster Linie Konservierungsarbeiten am Krupp-Ardelt 3t-Vollportal-Kran „Kaimaster“ stellen ein Pilotprojekt dar. Erstmals wurde in der Industriedenkmalpflege ein Großprojekt in den Ausmaßen eines 38m hohen Hafenkrans konserviert und im Rahmen eines zurückhaltenden Konzepts restauriert, das in erster Linie die Verkehrssicherheit, den Materialerhalt und die Zurücknahme von Vernachlässigungsspuren vorsah. Sein authentischer Zustand mit zahlreichen Nutzungsspuren verleiht dem Kran eine historische Plastizität mit außergewöhnlich hohem Quellenwert, der durch die behutsamen Konservierungsmaßnahmen nicht oder so wenig wie möglich beeinträchtigt werden soll.

Erhaltungsziele:

  • Erzeugen eines authentischen Erscheinungsbildes, das den Betriebszustand des Krans wiederspiegelt und die Spuren der Arbeit sichtbar lässt
  • Langfristiger Erhalt der Substanz durch Herstellen eines stabilen Status Quos, der durch einfache Pflegemethoden in regelmäßigen Intervallen aufrecht erhalten werden kann
  • Gewährleistung der Verkehrssicherheit

Diese Ziele wurden unter anderem erreicht durch:

  • Entfernen sämtlicher Korrosionsherde
  • Ertüchtigung statisch beeinträchtigter Tragwerke durch Einschweißen neuer Profilteile
  • Wiederherstellung der Dichtigkeit des Maschinenhauses und der Krankabine durch Blecharbeiten
  • Zwangsbelüftung des Maschinenhauses und der Krankabine
  • Austausch von Hub- und Auslegerhalteseilen
  • Konstruktiver Korrosionsschutz durch Drainage
  • Wasser-Hochdruckreinigung der Außenflächen
  • Auswaschen und Zurücknahme der Rostlaufspuren aus der originalen Lackierung
  • Tiefenwirksamer, transparenter Korrosionsschutz
  • Retusche

Die Schweißarbeiten und sämtliche anderen Ergänzungen wurden dabei so ausgeführt, dass sie klar ablesbar bleiben, Schweißnähte wurden bspw. nicht beschliffen.

Mittels Wasserhochdruck wurden die Oberflächen sensibel gewaschen wobei die noch ausreichend tragfähigen historischen Lackschichten belassen wurden um den größtmöglichen Teil an originaler Oberfläche zu bewahren.

Das Korrosionsschutzsytem basiert auf stark kriechenden, vernetzenden Ölen, die Korrosionsprodukte und konstruktive Spalte tiefenwirksam penetrieren. Sie verringern die Feuchteretention in den Kontaktflächen und in den korrodierten Oberflächen durch Hydrophobierung der Kapillarstrukturen und Auffüllen resp. Sättigen der Struktur, sodass erneutem Wassereintritt vorgebeugt wird. Ohne Elektrolyt finden atmosphärische Korrosionsprozesse nicht statt.

Die Retusche sieht vor, den Kran nicht fabrikneu aussehen zu lassen, sondern die Spuren der Arbeit respektvoll herauszuarbeiten und Spuren der Vernachlässigung zurückzunehmen. Kratzer und Dellen in den Oberflächen, die bspw. durch die Hakenflasche erzeugt wurden, sind belassen und nicht retuschiert worden. Teer- und Bitumenreste von der Seilpflege sind nachwievor vorhanden. Alte Reparaturen wurden überarbeitet und deutlich sichtbar belassen – die rot abgesetzten Bereiche am Maschinenhaus sind alte Blecharbeiten, die notdürftig mit Rostschutzgrundierung überstrichen wurden. Die Ertüchtigungen der Blechhaut wurden nachträglich so retuschiert, dass sie dem vorherigen Bild entsprechen und keine deutlich sichtbare Hinzufügung darstellen.

So ist ein geschlossenes, beruhigtes Gesamtbild erschaffen worden, das den Hafenkran nach jahrzehntelangem intensivem Gebrauch authentisch darstellt. 

Panorama - Vor und nach der Demontage des Auslegers, Foto: Eva Wentland